In einem interessanten Interview, das der luxemburgische Historiker Paul Dostert dem Luxemburger Wort über die neuerdings digital zugängliche Mitgliederliste der NSDAP gab, heißt es in Bezug auf die luxemburgischen Ortsgruppenleiter:
Wenn man die 120 Ortsgruppenleiter analysiert, Paul Cerf und Benoit Majerus haben das getan, dann stellt man fest: Das sind Streber. Jüngere Leute, aber auch gestandene, auch Ärzte darunter. In einem Urteil steht „Ein junger Mann, vom Ehrgeiz zerfressen“, der hat sich freiwillig als Kreispropagandaleiter gemeldet. Oft findet man ein deutsches Element in der Familie, zum Beispiel die Ehefrau. Ein Arzt aus Kayl zum Beispiel war Ortsgruppenleiter, zwei Söhne auch in der Partei, der jüngste nicht. Der hat aber trotzdem von seinem Familiennamen profitiert, er war Schauspieler und hat darüber Auftritte bekommen bis in die Ostgebiete. Später hat er sich dann distanziert und gesagt, meine Familie war in der Partei, aber meine Sache war das nicht.
Beim oben erwähnten, nicht namentlich genannten Arzt aus Kayl handelt es sich um Dr. Florent Antony (1887–1964), den ich bereits 2017 in einem Online-Artikel behandelt habe und über den ich anschließend auch einen Wikipedia-Artikel verfasst habe. Den Online-Artikel von 2017 habe ich im Jahr 2019 ergänzt und überarbeitet; diese neue Version habe ich jedoch erst jetzt online veröffentlicht.
Beide Versionen sind auf meiner Internetseite (massard.info) verfügbar:
Massard, J. A., 2017. De Florentin Antony (1887-1964), e lëtzebuergeschen Dokter, Buergermeeschter a Kollaborateur. Published online 2017, 7 Säiten.
Massard, J. A., 2019. De Florentin Antony (1887-1964), e lëtzebuergeschen Dokter, Buergermeeschter a Kollaborateur. Published online 2026, 10 Säiten.
Wikipedia-Artikel (jamcelsus):
Wort-Artikel:
T. Rüdell: Interview: “Wer in der NSDAP war, konnte das schlecht verstecken”. Luxemburger Wort, 30. April 2026, S. 54. Online verfügbar.)