Die Okkupation Luxemburgs im August 1914 durch deutsche Truppen hatte die Schließung der Grenzen zur Folge. Importe aus den Nachbarländern Belgien und Frankreich wurden ein Ding der Unmöglichkeit, in Luxemburg wurden die Lebensmittel knapp, da das kriegführende Deutschland seine Produkte an erster Stelle für sich behalten wollte. Angesichts dieser Lebensmittelkrise griff man im Großherzogtum auf allerhand Zusatz- und Ersatzstoffe zurück. Backmehl wurde mit Hafermehl, Kartoffelflocken, Kartoffelmehl, Tapioka- oder Gerstenmehl gestreckt, Reis durch Gerstengraupen ersetzt usw. Unter diesen Lebensbedingungen gewann das Sammeln von Pilzen zusehends an Bedeutung. Und der Pilzkenner Paul Wilwers organisierte Pilzwanderungen, lud zu Versammlungen ein und schrieb Presseartikeln, um das Publikum über das so genannte „Fleisch des Waldes“ aufzuklären.

In seinen Ausführungen hob Wilwers den Wert der Pilze als Nahrungsmittel hervor und betonte, dass bei den stetig steigenden Lebensmittelpreisen und der zunehmenden Fleischteuerung die Pilze es verdienten, ein Volksnahrungsmittel zu werden, das der Wald umsonst spendet. Wilwers pochte aber auch darauf, dass das Volk mehr Aufklärung benötige, um giftige von essbaren Pilzen unterscheiden zu können. [In Deutschland gab der Kriegsausschuss für Volksernährung hierzu ein eigenes Faltblatt heraus, das vom Mykologen Udo Dammer bearbeitet worden war, und wovon Evelyn Filep, die Autorin des Pilzbuches für Kinder “Das Konzert im Wald” mir freundlicherweise ein PDF gemailt hat.]

Wie entscheidend eine genaue Artenkenntnis der Pilze sein kann, wurde zur Zeit der Wilwers’schen Aufklärungskampagne durch eine verhängnisvolle Pilzvergiftung in Dommeldingen offenbar, die im September 1916 drei Kindern das Leben kostete.

Mehr zum Thema entnehme man dem folgenden Artikel:

Massard, J. A., 2018. Paul Wilwers (1876-1967), Bahnhofsvorsteher in Luxemburg, Pilzkenner und Ehrenmitglied der „Société des naturalistes luxembourgeois“. Bulletin de la Société des naturalistes luxembourgeois 120: 3-29.