Ein Artikel aus dem Heimatkalender 1998 Landkreis Bitburg-Prüm

Der Artikel „Vom Ernzerberg, dem Echternacher Liebig-Schüler Jos Namur und einem bösen Buben“ von Jos. A. Massard schildert die historische, kulturelle und touristische Bedeutung des Ernzerbergs bei Echternacherbrück.

Der Ernzerberg mit der Liboriuskapelle und dem sogenannten „Kläuschen“ war bereits im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel. Von dort bietet sich ein weiter Blick auf Echternach und das Sauertal. Die heutige Liboriuskapelle wurde 1901/02 gemeinsam vom Eifelverein Bollendorf und dem Echternacher Verschönerungsverein nach Plänen des Luxemburger Staatsarchitekten Karl Arendt errichtet. Eine ältere Kapelle war abgebrochen worden; ihre Steine dienten dem Bau der Ernzer Kirche.

Im Mittelpunkt des Artikels steht der Echternacher Apotheker, Naturwissenschaftler und Professor Joseph Namur (1823–1892). Er hatte 1845/46 bei Justus von Liebig in Gießen studiert und unterrichtete später in Echternach Chemie, Physik, Agronomie sowie Naturgeschichte. Daneben war er unter anderem Primarschulinspektor, Gemeinderatsmitglied und wissenschaftlicher Autor.

1880 veröffentlichte Namur unter dem Titel „Wahrheit und Dichtung“ eine phantasievolle Beschreibung einer Wanderung auf den Ernzerberg. Dabei verbindet er Erläuterungen zur Geologie mit Erinnerungen an seinen Lehrer Liebig. In der Klause begegnet ihm in seiner dichterischen Phantasie Heinrich Heine, der ihm das Gedicht „Der Abend am Kläuschen“ überreicht. Namur hatte dieses Gedicht frei nach Heines „Der Abend am Meer“ gestaltet und dem neuen Echternacher Casinogesangverein gewidmet.

Diese literarische Anlehnung führte zu einer heftigen Pressekontroverse. Das Luxemburger Wort stellte Namurs Verse dem Gedicht Heines gegenüber und deutete eine wenig gelungene Nachahmung an. Namur wies den Verdacht eines „literarischen Diebstahls“ zurück: Er habe Heines Gedicht lediglich in einer heiteren Stunde auf das Ernzerberger Kläuschen übertragen. Der Echternacher Anzeiger griff anschließend auch den Prosateil scharf an; hinter der Kritik stand der Geistliche Jean-Baptiste Fallize.

Der Artikel zeigt außerdem, welche Rolle der Ernzerberg im gesellschaftlichen und geistigen Leben Echternachs spielte: Er war Treffpunkt für Spaziergänger und Jäger und regte zu Betrachtungen über die verlorenen Echternacher Handschriften an.

Den tragischen Gegenpol zur romantischen Darstellung bildet ein Unglück vom 2. Mai 1880. Ein achtjähriger Junge warf am steilen Hang einen Stein hinunter. Dieser traf einen vier- bis fünfjährigen Jungen aus Echternacherbrück tödlich; dessen Bruder wurde leicht verletzt. Während der Echternacher Anzeiger vorsichtig berichtete und bessere Sicherheitsmaßnahmen forderte, bezeichnete die Trierische Landeszeitung den älteren Jungen in drastischer Weise als „Tunichtgut“ und „jugendlichen Mörder“.

Die zentrale Aussage des Artikels lautet somit: Der Ernzerberg war nicht nur ein landschaftlich reizvoller Aussichtspunkt, sondern auch ein Ort naturwissenschaftlicher Beobachtung, literarischer Phantasie, öffentlicher Kontroversen und menschlicher Tragik – „Tragik und Romantik, Seite an Seite“.

NB: Diese Zusammenfassung wurde von ChatGTP entworfen und vom Autor angepasst.

Massard, J.A., 1997. Vom Ernzerberg, dem Echternacher Liebig-Schüler Jos Namur und einem bösen Buben. – In: Heimatkalender 1998 Landkreis Bitburg-Prüm: 110-117.

Siehe auch meine Wikipedia-Beiträge: Jos Namur (deutsch) und Joseph Namur (luxemburgisch).